
IM RHYTHMUS DER NATUR! Zum 75-jährigen Jubiläum wagt das Museum Morsbroich ein ungewöhnliches Experiment. Mit der Ausstellung ‘Chained to the Rhythm. Von Mensch und Natur’, die am Sonntag, den 1. März, um 12 Uhr eröffnet wird, stellt das Haus seine eigenen Regeln für einige Monate infrage. Als ehemalige Rokoko-Residenz mit großem Schloss- und Skulpturenpark ist Morsbroich seit jeher ein Ort, an dem Kunst und Natur eng miteinander verbunden sind. Genau dieses Verhältnis rückt die neue Ausstellung in den Fokus. Gezeigt werden Arbeiten junger wie etablierter Künstler*innen, darunter Enya Burger, Jason Dodge, Stefan Draschan, Johanna von Monkiewitsch, Bill Viola, Andy Warhol und Herlinde Koelbl (s. Titelbild), die die Grenzen von Innen und Außen verwischen und nach unserem heutigen Naturverständnis fragen. Pflanzen werden hörbar, Wetter sichtbar, Licht wird künstlerisches Thema. So laden zum Beispiel Andy Warhols ikonischer Film ‘Sleep’ (1963) oder Stefan Draschans Fotografien schlafender Museumsbesucher*innen dazu ein, dem hektischen Alltag zu entfliehen und der Kunst Zeit zu geben. Der Ausstellungstitel greift Katy Perrys Popsong ‘Chained to the Rhythm’ auf und stellt die einfache, aber drängende Frage: Sind wir gefangen im Tempo unserer Zeit? Ein besonderer Höhepunkt während der Laufzeit sind die Morsbroicher Kunsttage vom 8. bis 10. Mai, an denen das Museum seinen Geburtstag feiert und Kunst und Natur gemeinsam in den Mittelpunkt stellt – ein verheißungsvoller Start ins Jubiläumsjahr! 😊 Weitere Infos hier:
www.museum-morsbroich.deMonika Baer
Info: Wenigen gelingen Werke von solch durchgehender Spannung. Es ist, als würde von Werkgruppe zu Werkgruppe eine brennende Fackel übergeben. Oder als sei auf jeder Leinwand Haut besonders fest auf den Knochen gespannt. Es ist eine Spannung, die allein aus malerischen Setzungen rührt, die Monika Baer in den vergangenen dreißig Jahren immer weiter entfaltet hat. Kompromisslos hat sie dabei ein Werk entwickelt, das sich losgelöst von allen Strömungen bewegt. Baers Bildsprache tritt zeitlos auf und ist gleichzeitig stark mit der Gegenwart verbunden. Es sind anierende Bewegungen von dialektischer Natur, die ein geladenes Vibrieren erzeugen und auch die innerbildlichen Zusammenhänge charakterisieren. Defection zeigt ihre jüngsten Arbeiten. Sie treten in die Nachbarschaft der zuvor entwickelten Motivgruppe mit Mänteln, die auf Felsnischen oder Simsen abgelegt sind. Es handelt sich bei beiden Komplexen um Räume der Untiefe. Ihrer verschlossen bleibenden Dimension liegt etwas Rätselhaftes zugrunde, dessen Detailversessenheit das abtastende Auge auf die Spur kommt, dem es aber nicht bis zum Ende folgen kann. (…)

Franz Ackermann, Jens Bleckmann, DAG, Ólafur Elíasson, Esther Ernst, Julius Hartauer, Michael Golz, Christian Pilz, Isabell Schulte
Info: Kartographische Pläne sind selten eindeutige Aufzeichnungen des Gegebenen. Auch wenn sie Rationalität und Objektivität suggerieren, bewegen sie sich in einem nie von Subjektivität freien Raum zwischen Abbildern und Zeichen, zwischen Bild und Sprache – letztlich zwischen Realität und Fiktion – auch deswegen, weil sie Maßstäben folgen, die bestimmen, wo die Genauigkeit im Detail aufhört. Auf gedruckten Weltkarten wird der Standort von KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION kaum zu finden sein. Erst in digitale Karten lässt sich beliebig hineinzoomen. Doch gibt es Länder und Orte, die nur auf fiktiven Karten zu finden sind, etwa das Lummerland aus Michael Endes berühmten Jim Knopf-Romanen. Kartographisch inspirierte Fiktionen gibt es jedoch nicht nur in Kinderbüchern, sondern auch im Werk vieler Künstlerinnen und Künstler. Hier finden wir originelle Auf- und Verzeichnungen von Reiseerlebnissen, daneben detaillierte Entwürfe erdachter Orte und Länder. Kartographisch anmutende, zeichensprachlich oder ornamental wuchernde Strukturen können sich zu ganz eigenen Weltentwürfen entwickeln. (…) Zur Eröffnung sprechen Monika Schnetkamp (Vorsitzende, Arthena Foundation), Ludwig Seyfarth und Klaus-Peter Kirchner (Kuratoren).

Marc Botschen, Rebekka Benzenberg, Iris Helena Hamers, Alissa Ritter, Emil Walde, Milena Wojhan
Info: POV: Du liest eines dieser Das erste Wort, das du siehst, beschreibt wie dein 2026 aussehen wird Wortsalate. Dein Blick streift PROFUSION, ANTAGONIST und WISHLIST. Verdammt, die TikTok Witches hatten mal wieder recht. Es ist alles so verdammt viel geworden. Die Lüge sieht nach Wahrheit aus, die Satire nach Geschichte, der Albtraum wie der Alltag. Ruhe ist verdächtig fremd. Du wünschtest, du könntest raus und mal wieder Gras anfassen. Wie schade, dass dein Handy noch nicht geladen hat. – Jennifer Braun

Julia Heyward
Info: Die Künstlerin und Performerin Julia Heyward (*1949, US) beschreibt ihren Umgang mit Sprache als verworren, assoziativ, fieberhaft und didaktisch – ein spielerisches Mittel, um durch Exzess und Störung Emotionen auszulösen. Inspiriert von Vaudeville-Theater, Slapstick, Jodeln, mongolischem Kehlkopfgesang, sowie Bauchrednerei und verschiedenen Methoden der phonetischen Verzerrung entwickelte Heyward eine eigenständige theatrale Ästhetik. Die Ausstellung Voices of Many Voices konzentriert sich auf Heywards frühe Performances, deren überlagerte Projektionen, Live-Musik, Requisiten und Kostümen sich fließend zwischen Spoken-Word-Performance, Konzertformaten und Theater bewegten. Statt an ein einzelnes Medium gebunden zu sein, entfaltet sich ihre Praxis über verschiedene Formate hinweg und verfolgt eine kontinuierliche, medienübergreifende Auseinandersetzung mit Sprache, Klang und Bild. (…) Begrüßung von Tobias Viehoff (Vorstandsvorsitzender, Westfälischer Kunstverein), inhaltliche Einführung von Theresa Roessler (Direktorin & Kuratorin, Westfälischer Kunstverein). Gleichzeitig eröffnet das neue RADAR-Projekt von Tornike Gognadze.

Nadine Lohof
Info: Nadine Lohof (b. 1987 in Kassel) presents her first solo exhibition Werkzeug with Ruttkowski;68 in Düsseldorf. As something that concentrates intention while remaining fundamentally ambivalent, tools can care for and injure, shape and damage; they inscribe marks, cut into surfaces, smear, and leave traces that cannot be fully undone. Lohof’s paintings depict figures caught in transient situations: children, costumed bodies, ambiguous beings that evade fixed identity. Laughter recurs as a central motif, oscillating between warmth and aggression, intimacy and derision. Bared teeth, exaggerated gestures, and heightened expressions never settling into clarity. Soft pastel tones and gently worked surfaces lend the paintings an immediate, almost inviting quality, while subtle disruptions emerge on a closer look. The scenes remain fragmentary, allowing absence and implications to resonate as strongly as what is shown. The installation Alphatools casts axes in chocolate, translating the painterly exploration of trace, violence, and seduction into tangible form. Chocolate, both sensual and alluring, carries the promise of pleasure, yet it also exposes the persistence of marks: when one tries to wipe away stain, the residue remains, hinting at mess, a touch, or bodily traces. (…)

Pablo Schlumberger (Künstler), Fion Pellacini (Künstler, Komponist, Musiker)
Info: Wer beim Umschreiten des K21 weit nach oben unter das Dachgesims des alten Ständehauses blickt, kann dort die Figuren engelsgleicher Kinder entdecken. Schon weit über 100 Jahre halten sie die Wappen der Stände und Provinzen, deren Vertreter sich hier einst zum Provinziallandtag einfanden. Am 6. März dürfen sich die Putti eine Auszeit von ihrer repräsentativen Pflicht erlauben und unter der Kuppel einen Drink nehmen. Das K21 steht nach den regulären Öffnungszeiten allen offen, die ihnen Gesellschaft leisten wollen. Trinkend, redend oder auch schweigend, denn zusammen ist man weniger allein. Pablo Schlumbergers nomadische Bar Putti reagiert mit jedem Erscheinen auf den neuen Ort und seinen Kontext und verändert so immer wieder ihre Gestalt und Ausrichtung. Nach Stationen im Harburger Bahnhof (2019), der Neuen Barmbeker Apotheke (2021) und dem BPA in Köln (2023) taucht sie dieses Mal in einem besonders entlegenen Teil des Kuppelgeschosses im K21 auf. Für einen Abend wird der schlauchförmige Raum zwischen Treppenturm und Aufzug zur Rooftop Bar. Ihr wechselndes Signet, dieses Mal zwei Fontänen weinende Katzen, deutet bereits an, dass in diesem Labyrinth aus Museumsmobiliar durchaus Platz für Mitleid ist. Im Französischen heißt es regnet bekanntlich il pleut – es weint. Passenderweise stehen hier schon die Auffanggefäße für die nächsten Himmelstränen bereit. Begleitet wird der Abend von den melancholisch-sphärischen Klängen von Fion Pellacini. Prost – die Getränke sind frei!
